„Uns geht es um den Dialog“

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Michael Bauer, einer der Erstunterzeichner des Aufrufs für einen Arbeitskreis HumanistInnen und Konfessionsfreie in der SPD, im „vorwärts“-Interview.

Warum braucht die SPD einen Arbeitskreis „HumanistInnen und Konfessionsfreie“?

Michael Bauer: Weil humanistische, nichtreligiöse und auch atheistische Sozialdemokraten aufgrund ihrer Werte und ihrer geistigen Traditionen spezifische Sichtweisen und Anliegen haben, die für die SPD fruchtbar sind und die es verdienen, in ihr angemessen repräsentiert zu werden. Bei vielen politischen Debatten, besonders wenn sie sehr wertegeladen sind, spielen solche Fragen eine Rolle, z.B. auch in der aktuellen Debatte um den assistierten Suizid. Wir wissen aus vielen Umfragen, dass ca. 40 Prozent der Menschen in Deutschland keine religiösen Überzeugungen teilen. Zugleich gibt es eine gewachsene religiöse Vielfalt in unserer Gesellschaft. Es würde der SPD nutzen, diese Einstellungen und Lebensentwürfe mehr als bisher aufzugreifen. Das entspräche auch dem innerparteilichen Pluralismus. Arbeitskreise für Genossen mit christlichem, jüdischem und muslimischem Bekenntnis gibt es ja bereits.

2011 gab es bereits den Versuch, einen „Arbeitskreis der LaizistInnen“ zu gründen. Was ist der Unterschied?

Unser Ansatz ist völlig parallel zu den bestehenden religiösen AKs. Im Zentrum stehen die humanistisch oder säkular begründeten Werthaltungen, also die weltanschaulichen Überzeugungen der Menschen. Darüber hinausgehende programmatische Festlegungen sind damit nicht verbunden. Wir wollen uns außerdem nicht nur mit dem Verhältnis von Religion und Staat beschäftigen, sondern aus unserer Perspektive mit der ganzen Fülle von Themen und Herausforderungen, denen sich unsere Gesellschaft gegenübersieht. Uns geht es um den Dialog, auch mit den gesellschaftlichen Partnern, und um die innerparteiliche und öffentliche Diskussion.

Der Parteivorstand hat sich damals gegen einen Laizisten-Arbeitskreis ausgesprochen. Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Recht gut. Wir gehen davon aus, dass es den AK HumanistInnen und Konfessionsfreie schon bald geben wird.

Die Fragen stellte Kai Doering. Zuerst erschienen in vorwärts Juni/Juli 2015.